Andreas Schaffer im Interview

Andreas Schaffer ist Bundesjugendreferent-Stellvertreter der Österreichischen Blasmusikjugend (Referat für Aus- und Weiterbildung) und Direktor der Gustav Mahler Musikschule Klagenfurt. Im Vorfeld des "Österreichischen Blasmusikforums 2018" behandelt er vorwiegend Themen rund um die Arbeit mit einem Jugendblasorchester im Rahmen eines speziellen Seminars für Jugendorchesterleiterinnen und Jugendorchesterleiter.

Lieber Andreas, du bist Instrumentalpädagoge und Dirigent und stehst im Zuge des Fortbildungsangebotes der ÖBJ, wie unter anderem beim "Lehrgang für Jugendorchesterleiterinnen und Jugendorchesterleiter" den Teilnehmern mit deinem umfassenden Know-how zur Seite. Mit welchen Fertigkeiten sollte deiner Meinung nach der Leiter/die Leiterin eines Jugendblasorchesters ausgerüstet sein?
"Erstens einmal soll man dirigieren können. Leider herrscht manchmal die Meinung, das für das Jugendblasorchester ein Stellvertreter oder ein Jugendleiter ohne Dirigierausbildung ausreicht, der halt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten will. Im Gegenteil: In der pädagogischen Arbeit ist das Kennen der Instrumente und ihrer Probleme noch wichtiger, weil man ja immer 'helfen' muss. Eine Kenntnis der Entwicklungspsychologie (d. h. die Bedeutung der Kindheit für das Erwachsenwerden) sowie das Gespür im Umgang mit dieser Altersgruppe ist sehr entscheidend. Die Jugendlichen sollten nach jeder Probe gestärkt weggehen, das ist für mich pädagogische, motivierende Arbeit."

Im Rahmen des "Österreichischen Blasmusikforums" wirst du über Dirigierbasics referieren und dazu praktische Tipps weitergeben. Welche Inhalte möchtest du im Zuge dessen besonders den Teilnehmern vermitteln?
"Eine effiziente Probenarbeit kann dadurch erreicht werden, dass viel erklärt wird, was man will und wie es klingen soll. Noch interessanter ist aber, wie durch eine gute Schlagtechnik und mit weniger Worten gute Musik erzeugt werden kann. Wir behandeln den Umgang mit/ohne Taktstock genauso wie die Auswirkungen der Gestik auf den Klang, heuer speziell mit der Schubert-Messe."

Die Jugendblasorchesterszene hat in den vergangenen Jahren großen Aufschwung durchlebt. Über 1.200 Jugendblasorchester musizieren bundesweit und gewährleisten folglich die Basis für unsere Musikvereine. Was fasziniert dich an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Blasmusikwesen?
"Im Jugendorchester steckt einfach viel Begeisterungsfähigkeit. Das ist eine große Chance, die sich kein Dirigent entgehen lassen darf. Umso wichtiger ist die Vorbereitung auf eine Probe. Wann sind Rituale gefragt (etwa wie beginnt oder endet eine Probe erkennbar?), wann aber Abwechslung und Überraschungen. Eine gelungene Jugendorchesterprobe fordert einen sehr, aber gleichzeitig wird man selber 'aufgeladen'. Bei den vielen Wettbewerben, die ich erlebe, spürt man den Willen, dabei zu sein. Wenn das Ganze noch in schönen Sälen passiert, ist das für alle etwas Besonderes."

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