Thomas Ludescher im Interview

Thomas Ludescher zählt zu den renommiertesten Dirigenten der Blasorchesterszene Österreichs. Dieses Jahr wird er als künstlerisch-musikalischer Hauptdozent beim "Österreichischen Blasmusikforum" den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit seinen fundierten Erfahrungswerten zur Seite stehen. Im Interview spricht der Bundeskapellmeister-Stellvertreter über die Weiterentwicklung des "Österreichischen Blasmusikforums", Parallelen zwischen dem Brass Band – und dem Blasorchestergenre und über die Werte, die er als Dozent seinen Studenten vermitteln möchte.

Thomas Ludescher absolvierte die Studien Trompete, Musikpädagogik, Komposition und Blasorchesterleitung am Landeskonservatorium Feldkirch, an der Musikuniversität Wien und an der Musikhochschule Augsburg - Nürnberg. 1996 feierte er die Sponsion zum "Magister artium". Seine musikalisch-künstlerische Vielseitigkeit zeichnen den Bundeskapellmeister-Stellvertreter  besonders aus.      

Lieber Thomas, das Konzept des "Österreichischen Blasmusikforums 2018" wurde ganz nach dem Motto "Stillstand bedeutet Rückschritt" weiterentwickelt. Welche inhaltlichen und strukturellen Neuerungen erwarten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
"Der Meisterkurs des ÖBV wurde schon in vielen Varianten angeboten und durchgeführt. Die letzten Jahre entwickelte sich der ‚Meisterkurs‘ zu einem vielfältigen Angebot unter der Dachmarke des ‚Österreichischen Blasmusikforums‘. Die neue Struktur sieht drei Dirigentenfortbildungsbereiche vor. Neben den vielfältigen Angeboten in Form von Workshops, wurden zwei Angebote für die aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Praxis- und Meisterkurs) geschaffen. Dabei wird der Meisterkurs dem Namen entsprechend aufgewertet, während der Praxiskurs mit ‚leichterer Literatur‘ bestückt ist, wodurch sich hier der Fokus besonders auf die Breite richtet. Die große Herausforderung beim Meisterkurs – der in Zukunft übrigens im zweijährigen Rhythmus angeboten wird, ist das Kursorchester. Im diesjährigen Blasmusikforum wird diese Aufgabe eine Brass Band übernehmen. Dadurch können interessante und lehrreiche Quervergleiche zwischen den beiden Orchesterformationen (Blasorchester und Brass Band) hergestellt werden. Das Praxisorchester wird in bewährter Weise von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst zusammengestellt. Als Gegenpool zur Blechlastigkeit und als Akzent für die Wichtigkeit des Klarinettenregisters in unseren Musikkapellen, wird ‚die Klarinette‘ mit vielen Tipps, Anregungen und Themen in den Mittelpunkt gestellt."

Du bist Dirigent und künstlerischer Leiter diverser Orchester und Formationen wie unter anderem vom Sinfonischen Blasorchesters Vorarlberg, der Bayerischen Brass Band Akademie oder der 3 BA Brass Band, die beim Meisterkurs als Kursorchester fungieren wird. Wovon kann man als Dirigent bzw. Dirigentin besonders profitieren, wenn man die tolle Möglichkeit hat, im Rahmen eines Meisterkureses mit einer Brass Band zu arbeiten?
"Bestimmt kommt der Gedanke auf, warum dieses Jahr eine Brass Band als Kursorchester wirkt, obwohl es in Österreich nur sehr wenige Brass Bands bzw. keine Brass Band Tradition gibt. Als Dirigent ist es immer wichtig den Blick in andere Genres (Chor, Sinfonieorchester, Big Band, Kammermusik, …) zu pflegen. Es ändern sich dadurch die Sichtweise, die Klangvorstellung und viele weitere Aspekte. Es geht im Grunde darum, was man von einer Brass Band oder der Brass Band Szene lernen und für unsere Arbeit mit den eigenen Musikvereinen mitnehmen kann. Mir ist es besonders wichtig, aus dem Bereich der Brass Band Szene einige spannende Ansätze aufzuzeigen. Eine weitere große Herausforderung ist das Arbeiten mit einer Brass Band in diesem Leistungsniveau, die 3 BA Brass Band hat bisher alle deutschen Meisterschaften in der Höchstklasse gewonnen und spielt seit 2015 in der Champion-Section des European Brass Band Wettbewerbes."

Gibt es viele Parallelen zwischen einer Brass Band und einem Blasorchester bezugnehmend auf die Klangbalance oder die Probendidaktik?
"Das grundlegende Handwerk – die Erarbeitung - einer Interpretation bleibt gleich, das Klanggewand ist natürlich anders. Dieses Erlebnis wird für viele neu sein und so hoffe ich einige Denkanstöße, für die persönliche Arbeit Zuhause, zu bringen. Der interessanteste Ansatz, den wir von einer Brass Band lernen können, ist die Pflege der Orchesterbasics. Ein Bereich, dem meiner Meinung nach größere Beachtung geschenkt werden sollte."

Du zählst zu den renommiertesten Dirigenten Österreichs und konntest im Laufe deiner Karriere durch deine Vielseitigkeit an breites Repertoire an Erfahrungswerten sammeln. Als Dozent für "Blasorchesterleitung" am Vorarlberger und Tiroler Landeskonservatorium sowie als Lehrbeauftragter für "Blasorchesterleitung und Instrumentation" am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg arbeitest du regelmäßig mit Studentinnen und Studenten, die sich musikalisch und persönlich weiterentwickeln möchten. Welche Werte und Inhalte versuchst du besonders deinen Studenten zu vermitteln?
"Ein breiter Horizont ist mir sehr wichtig. Die Erkenntnisse daraus, verknüpft mit meiner über 30-jährigen Dirigier- und Unterrichtstätigkeit in allen Leistungsebenen sind die Basis meiner Methodik. Ich versuche allen Teilnehmern diese ‚Werkzeuge‘ zu vermitteln und praxisorientierte Anregungen mit auf den Weg zu geben. Dabei geht es um verschiedenste Bereiche eines Dirigenten wie Schlagtechnik, Instrumentation, Klang, Probenmethodik, Hörpsychologie oder um die Vorbereitung."
Nach oben